Lippenbekenntnis

Ich weigere mich auf die Uhr zu sehen, weiß allerdings, dass der Tagesanbruch noch in weiter Ferne liegt. Totenstille im Haus. Alle schlafen. Außer mir.

Ich liege wach, hellwach in meinem Bett und wälze mich hin und her. Seit einer gefühlten Ewigkeit. Bin unruhig.

Nein, ich kann nicht ausgeschlafen sein, bin ich doch erst kurz vor Mitternacht zu Bett gegangen.

Es ist dieser Traum, der mich aus meinem Schlaf gerissen hat. Ein Traum der ganz besonderen Sorte. Einer, der sich mit verschiedenen Protagonisten immer wieder zeigt und mein Blut zu glühender Lava macht. Meinen Herzschlag beschleunigt. Mich ganz flach und hektisch atmen lässt. Einer, über den niemand spricht.

Heute war er so intensiv, dass ich das Gefühl habe, jede Zelle meines Körpers brennt. Blut, das einer ätzenden Säure gleicht. Ich kann meinen Pulsschlag hören. Fühle meinen ganzen Körper beben. Sogar meine Lippen.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Meine Gedanken kreisen. Mein Mund wird feucht. Ich denke an dich.

Es ist noch sehr, sehr früh, ich weiß.

Verlangen.

Meine Fingerspitzen gleiten suchend durch die Dunkelheit. Ich kenne die anmachenden Knöpfe nach all den Jahren nur zu gut.

Vibrieren. Ein gutes Zeichen. Dein Brummen kommt mir in der Dunkelheit lauter vor als sonst. Ich versuche leise zu sein. Wärme steigt mir ins Gesicht.

Vorsichtig umschließe ich dich mit einer Hand. Lass´ dich wieder los, um es mit der anderen Hand zu versuchen.

Jetzt sitze ich vor dir. Kann dich nicht sehen. Doch ich kann dich riechen. Dich und deine Stärke. Rieche diesen würzigen, einzigartigen und auch maskulinen Duft, wie nur du ihn hast. Unverwechselbar.

Noch etwas verträumt spielen meine Finger mit dir, bevor ich dich vorfreudig mit beiden Händen umschließe. Das liebst du besonders. Meine Fantasie geht auf Reisen. Ich sehe Frauen vor mir – du weißt, dass ich mir die Bilder in meinem Kopf sehr gerne mit meiner Freundin ausmale. Aber auch mit anderen Männern – es gibt da einen, der dich genau so begehrt, wie ich. Ich erzähle dir von unseren lustvollen Begegnungen. Ich weiß, dass dir meine Fantasien nichts ausmachen. Ganz im Gegenteil. Wir teilen diese – sie gefallen uns beiden.

Blind führe ich dich zu meinen Lippen. Kurz vor der ersten, sehnsüchtig erwarteten Berührung hauche ich dich zärtlich an, als würde ich eine Feder in die Luft pusten wollen. In dem Wissen, dass mein warmer Atem tiefe, wogende Wellen bei dir erzeugt.

Fast schüchtern nähere ich mich dir. Bin bereit. Atme dich ein. Sauge dich ein. Schmecke dich und deine herbe Kraft.

Lippen. Zunge. Mund.

Du ergießt dich. Bis auf den letzten Tropfen nehme ich dich auf. Extase. Stöhnen.

Zufrieden und entspannt rolle ich wieder in mein Bett. Schmecke dich immer noch.

In meinen Gedanken bin ich bei dir. Kann es nicht erwarten, bis wir uns wieder begegnen. Es sind nur wenige Stunden, bis unser Spiel, von der Sonne geküsst, am erwachenden frühen Morgen von Neuem beginnt.

Ich und DU – meine heiß geliebte Tasse Kaffee!